AWG

ADRESSE

Bioabfallvergärungsanlage Neubulach

Härlestraße 6-8

75387 Neubulach-Oberhaugstett

MEIN APFEL WIRD ZU STROM

Stellen Sie sich vor, Sie genießen einen saftigen Apfel, werfen das abgeknabberte Gehäuse in die Biotonne... und der wird mit dem gesamten anderen Bioabfall direkt zur Stromgewinnung genutzt.

Zukunftsmusik? Nein, Realität hier bei uns im Landkreis Calw!

Strom und Wärme aus Abfällen zu gewinnen, das ist das Prinzip, nach dem die Biogasanlage im Landkreis Calw funktioniert.

Gerne können Sie sich ein umfassendes Bild in unserer Broschüre machen (Download einer pdf-Datei).

KREISLAUF

Anlieferung der gesammelten Bio- und Grünabfälle in die Annahmehalle.

Im Fermenter (Bioreaktor) folgt der sauerstofflose, mikrobielle Abbau (Vergärung) des eingesetzten Substrats.

Das entstandene Gas wird vor Ort in zwei Blockheizkraftwerken zu Strom- und Wärmeenergie umgewandelt.

Nach der Fermentation wird das Substrat in fest und flüssig separiert (getrennt).

Das feste Gärprodukt wird getrocknet, hygienisiert und in fein und grob separiert.

Das grobe Material wird nochmals getrocknet und als Brennstoff im Biomasseheizkessel zur Wärmeerzeugung eingesetzt.

Die Flüssigkeit wird hygienisiert, um eine thermische Entkeimung zu erreichen (Pasteurisierung).

Der flüssige Gärrest wird in einem der beiden Gärproduktlager gesammelt, bis er in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt wird.

Das feine Gärprodukt kann ebenfalls in der Landwirtschaft als natürliches Düngemittel verwendet werden.

DATEN UND FAKTEN

  • Die Anlage wird 20 BIS 25 JAHRE in Betrieb sein, für mindestens 20 Jahre ist damit die Energiegewinnung durch Bioabfälle gesichert.
  • Mehr als 25.000 METER KABEL und ca. 500 METER SUBSTRATLEITUNGSROHRE wurden in unserer Anlage verlegt.
  • Mit 1 m3 Biogas können, je nach Methananteil, 1,9 BIS 3,2 KWH STROM erzeugt werden.
  • Die Gärrestlager haben jeweils 4.400 m3 BRUTTOVOLUMEN.
  • Die Blockheizkraftwerke erzeugen pro Jahr rund 4.200 MEGAWATTSTUNDEN WÄRME. Die Wärme wird für die Anlage genutzt.

ROHSTOFFE

  • Die 18.000 t öffentlich gesammelten Bio- und Grünabfälle liefern den Rohstoff für die Vergärung.
  • Die Rohstoffe kommen überwiegend aus dem Landkreis Calw. Der Abfuhrrhythmus der Biotonne ist 14-täglich, die Bioabfälle werden direkt vom Sammelfahrzeug auf der Anlage angeliefert.
  • Die Grünabfälle bringen die Bürger des Landkreises zu den Recyclinghöfen. Der Anlage werden dann je nach Bedarf von diesen Anlieferungen Mengen zugesteuert.

WAS SIND BIO- UND GRÜNABFÄLLE?

Verrottbare Küchenabfälle:
Kartoffelschalen, Obstschalen (auch von Zitrusfrüchten), Gemüse- und Salatabfälle, Eierschalen, Speisereste aus Haushalten, Brot- und Kuchenreste, Kaffeefilter, Teebeutel, verdorbene Lebensmittel (ohne Verpackung).

Gartenabfälle:
Zweige, Grasschnitt, Laub, Unkraut, Pflanzenreste, Wurzeln, Fallobst (auch verschimmelt).

Sonstiges:
Verwelkte Blumen, Topfpflanzen, Balkonpflanzen mit Erde, Haare, Federn, Küchentücher, Eierkartons, Papierservietten, Sägespäne und Holzwolle von unbehandeltem Holz, Obst- und Brötchentüten aus Papier, kleine Mengen Zeitungspapier zum Einwickeln der Küchenabfälle.

AUFNAHME UND AUFBEREITUNG

  • Der für die Aufbereitung benötigte Strom kommt von der eigenen Photovoltaikanlage auf dem benachbarten Deponiekörper (stillgelegte Deponie).
  • Die Luft der Annahmehalle wird stetig abgesaugt und den Trocknern und dem anschließenden Luftwäscher zugeführt. Damit wird Geruchsbildung außerhalb der Halle vermieden.
  • Zusätzlich gewährt ein Notstromaggregat rund um die Uhr die Versorgungssicherheit der Biogasanlage.
  • In der ersten Aufbereitungsstufe wird durch einen Einwellenbrecher (Schredder) das Substrat (die Bioabfälle und das Grüngut) auf eine Korngröße von ca. 25 mm heruntergebrochen.
  • Anschließend findet eine Ausschleusung der Eisenmetalle durch einen Bandmagneten statt.
  • Durch die zeitverzögerte Aufbereitung ist ein Zwischenbunker notwendig.
  • Die Hammermühle trennt die Störstoffe von der Organik. Diese wird auf < 12 mm geschlagen und durch Zugabe von Rezirkulat (und/oder Brauch- bzw. Frischwasser) verflüssigt.

FERMENTER BIOGASANLAGE

  • Das Substrat in den Vorlagebehältern wird homogenisiert. Der Sand, der sich absetzt, wird durch eine Schnecke ausgetragen.
  • Eine kontinuierliche Fütterung von den Vorlagebehältern in die Fermenter sorgt für eine konstante Nahrungsversorgung der Bakterien. Die speziellen Bakterien zersetzen das Material unter Luftausschluss (anaerob) und produzieren dabei Gas.
  • Der Fermenter wird im mesophilen Temperaturbereich (zwischen 38-45 °C) betrieben.
  • Das entstehende Gas wird in den Tragluftdächern des Fermenters und der Gärrestlager aufgefangen, entschwefelt und auf dem Weg zu den Blockheizkraftwerken getrocknet, bevor es dort zu Strom umgewandelt wird.

GÄRRESTBEHANDLUNG

  • Nach der Fermentation wird das Substrat in fest und flüssig separiert (getrennt). Dabei werden noch kleine im Substrat enthaltene Störstoffteilchen durch eine Siebvorrichtung aussortiert.
  • Ein Teil der Flüssigkeit wird zum Verflüssigen der neu angelieferten Bioabfälle in der Mühle bereitgestellt (Rezirkulat).
  • Der übrige Teil der Flüssigkeit wird in den Pasteurisierungsanlagen hygienisiert (eine Stunde bei 70°C). Dadurch erreicht man eine thermische Entkeimung.
  • In den Gärproduktlager wird der flüssige Gärrest, ein wertvolles natürliches Düngemittel, gelagert, bis es in die Landwirtschaft ausgebracht werden kann.
  • Das feste Gärprodukt wird getrocknet und ebenfalls durch Erwärmung hygienisiert. Danach wird es in eine Fein- und Grobfraktion getrennt.
  • Das feine Gärprodukt kann ebenfalls in der Landwirtschaft als natürliches Düngemittel ausgebracht werden.
  • Das Gärprodukt unterscheidet sich nur in einer Weise vom bekannten Kompost. Ein festes Gärprodukt ist unter anaeroben Verhältnissen entstanden (d.h. unter Luftausschluss). Es hat daher keinen aeroben Zersetzungsprozess (Behandlung unter Luftzufuhr) gehabt und darf deswegen nicht Kompost genannt werden.
  • Das grobe Material wird nochmals getrocknet und als Biobrennstoff vor Ort zur Wärmeerzeugung eingesetzt.

BIOWÄRME

  • Unser Biobrennstoff (zum Beispiel das Überkorn der festen Gärreste oder verholzte Grünabfälle) wird im Drehrohrofen thermisch genutzt. Die Wärme wird im Pufferspeicher, zusammen mit der Abwärme der Blockheizkraftwerke gespeichert, bis diese benötigt wird. Der Drehrohrofen hat eine Leistung von 500 kW. Er hat in der Rauchgasreinigung einen Zyklon- und einen Gewebefilter.
  • Die Luft aus der Annahmehalle wird als Zuluft der Trockner verwendet. Dadurch reichert sich die Luft mit Ammoniak an. Dieser ist der Hauptbestandteil des wahrnehmbaren und unangenehmen Geruches in der Abluft.
  • Danach wird die Luft im Luftwäscher gereinigt. In dem Wäscher befindet sich ein Wabenfilter, der mit saurem Wasser (Wasser mit Schwefelsäure) benetzt wird. Zwischen Wasser und den  Verunreinigungen in der Luft entsteht eine Reaktion (Absorption), die, einfach ausgedrückt, die Geruchsstoffe herausfiltert.

STROMERZEUGUNG

  • Die 2 x 600 kW Blockheizkraftwerke verstromen das erzeugte Biogas.
  • Unsere Anlage läuft im Flexbetrieb, das heißt der Strom wird nur zur Spitzenlastabdeckung bereitgestellt. Zum Beispiel morgens oder am Abend, wenn viel Strom benötigt wird.
  • Außerhalb dieser Zeiten (z.B. nachts) wird kein Strom erzeugt. Das schont die Stromnetze und füllt die Versorgungslücken von Solar- oder Windenergie.
  • Der Strom von Biogasanlagen im Flexbetrieb ist die einzige regenerative Energie, die das kann.

ZERTIFIZIERUNG DER GÄRPRODUKTE

  • Die Gärprodukte wurden mit Inbetriebnahme der Biogasanlage unter die Aufsicht der Gütegemeinschaft Gärprodukte e.V. (GGG e.V.) gestellt.
  • Die GGG e.V. verleiht die RAL-Gütezeichen sowohl für feste als auch flüssige Gärprodukte.

WIE GEHT DIE GÜTEGEMEINSCHAFT VOR?
Die Gütegemeinschaft sendet unabhängige Probenehmer zur Fremdüberwachung unserer Anlage wie folgt:

  • 12 Untersuchungen pro Jahr im Anerkennungsverfahren
  • 12 Untersuchungen pro Jahr im Überwachungsverfahren

LAUFZEIT

Wie lange wird die neue Anlage in Betrieb sein?

Die ersten Biogasanlagen arbeiten seit gut 20 Jahren. Es gibt also genügend Erfahrungswerte, um zu sagen: Die Anlage wird 20 bis 25 Jahre in Betrieb sein, für mindestens 20 Jahre ist damit die Energiegewinnung durch Bioabfälle gesichert.

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