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Vergärungsanlage

Mein Apfel wird zu Strom

Stellen Sie sich vor, Sie genießen einen saftigen Apfel, werfen das abgeknabberte Gehäuse in die Biotonne... und der wird mit dem gesamten anderen Bioabfall direkt zur Stromgewinnung genutzt.

Zukunftsmusik? Nein, Realität hier bei uns im Landkreis Calw!

Strom und Wärme aus Abfällen zu gewinnen, das ist das Prinzip, nach dem die Biogasanlage im Landkreis Calw funktionieren wird.

Mein Apfel wird zu Strom - Beschreibung des Bioabfallkreislaufes mit einer Vergärungsanlage.
Mein Apfel wird zu Strom - Beschreibung des Bioabfallkreislaufes mit einer Vergärungsanlage.

Wo steht die Biogasanlage und wie groß wird sie sein?

Symbolbild Apfel
Symbolbild Apfel

Die Anlage wird das bisherige Kompostwerk in Neubulach-Oberhaugstett ersetzen – und wird ebenso groß sein. In der neuen Anlage werden pro Jahr 13.500 Tonnen Bioabfall und 4.500 Tonnen Grünabfälle verarbeitet, also die gleiche Menge wie bisher im alten Kompostwerk.

Was wird denn da konkret gebaut?

Symbolbild Biotonne
Symbolbild Biotonne

Hier entsteht eine Bioabfallvergärungsanlage für Bioabfälle aus der öffentlichen Sammlung und für Grünabfälle. Aus 13.500 Tonnen Bioabfällen und 4.500 Tonnen Grünabfälle entstehen hochwertige organische Dünger und aus dem erzeugten Biogas wird nachhaltig Strom und Wärme produziert. Betreiber der Anlage ist die AWG.

Warum wird diese Anlage gerade jetzt gebaut?

Symbolbild Apfelrest
Symbolbild Apfelrest

Das alte Kompostwerk war von 1997 bis 2016 in Betrieb. Die Halle haben in der langen Betriebszeit gelitten durch die permanent feuchte Wärme, die beim Kompostieren entsteht und hätten aufwändig saniert werden müssen.

Wie teuer wird die Anlage?

Symbolbild Wärmeerzeugung
Symbolbild Wärmeerzeugung

Die Anlage wird unter 10 Millionen Euro kosten. Die Sanierung des alten Kompostwerkes hätte etwa 4 Millionen Euro gekostet. Allerdings hätte man dann keine Erlöse für den Strom gehabt. Der Hauptnutzen der neuen Bioabfallvergärungsanlage ist, dass man erst Strom und Wärme erzeugt und dann noch immer Kompost als Dünger hat. Es ist so wirtschaftlicher und vor allem ökologisch sinnvoller, diese neue Anlage zu bauen, als das alte Werk zu sanieren.

Wie viel Strom und Wärme wird erzeugt?

Symbolbild Stromerzeugung
Symbolbild Stromerzeugung

Die Anlage erzeugt pro Jahr rund 4.200 Megawattstunden Wärme, die in der Anlage selbst zum Beheizen der Gärbehälter und zum Trocknen der festen Gärprodukte verwendet werden. Es werden außerdem rund 4.200 Megawattstunden Strom erzeugt. Damit können rund 1.200 Haushalte versorgt werden, also so viele, wie es in Neubulach und Oberhaugstett gibt. 

Was geschieht mit dem Gärprodukt?

Symbolbild Kompost
Symbolbild Kompost

Ein großer Teil der Gärprodukte wird als Dünger genutzt, ein weiterer als Brennstoff. Es entstehen jährlich  9.800 Tonnen Flüssigdünger, 1.200 Tonnen Kompost und 1.200 Tonnen Biobrennstoff. Der Brennstoff wird eingesetzt, um einen Teil der Wärme für den Betrieb des Werkes zu erzeugen. Es müssen nur noch 1.500 Tonnen Grünguthackschnitzel jährlich zur Wärmegewinnung genutzt werden. Diese Grünguthackschnitzel stammen auch aus dem Landkreis Calw und werden aus verholzten Grünabfällen wie Ästen hergestellt.

Was geschieht mit den Resten aus der Verbrennung?

Die Asche wird vom Ofenhersteller zurückgenommen, über ein zertifiziertes Verfahren aufbereitet und dann als Dünger genutzt.

Warum soll der Bioabfall vergärt werden, warum nicht weiter kompostiert?

Symbolbild Baum
Symbolbild Baum

Auch wenn wir alle immer bewusster auf unseren Energieverbrauch und die Umwelt achten, wird unser Energiebedarf in der Zukunft hoch bleiben. Es ist deshalb wichtig, dass die nötige Energie immer nachhaltiger erzeugt wird, wir vorhandene Ressourcen nutzen und die Natur dabei schonen.
Über Gas aus Bioabfällen Strom zu erzeugen, hat viele Vorteile, denn Bioabfälle fallen das ganze Jahr über an. Noch dazu werden sie in der Vergärungsanlage doppelt genutzt: Zuerst wird die Energie für Strom und Wärme gewonnen, dann wird ein großer Teil der Gärreste zum Düngen verwendet. Ein weiterer Vorteil: Die Blockheizkraftwerke produzieren den Strom dann, wenn besonders viel benötigt wird, nämlich tagsüber. Die Stromerzeugung ist also an den Bedarf angepasst.

Wie funktioniert die Anlage?

Symbolbild Frau mit Apfel

In der Annahmehalle werden Bio- und Grünabfälle getrennt voneinander in Boxen abgeladen. Die Bioabfälle werden direkt am Anliefertag verarbeitet, die Grünabfälle werden nach Bedarf zugemischt. Die Stoffe werden zerkleinert und Flüssigkeit wird zugeführt. Dafür wird Rezirkulat, das auf dem Gelände anfallende Regenwasser und  der in den Sammelfahrzeugen aus den Bioabfällen austretende Sickersaft genutzt. Rezirkulat ist ein flüssiges Gärprodukt, das zum Anmaischen der Bio- und Grünabfälle genutzt wird.

Nach der Aufbereitung kommt das Material in zwei Vorratsbehälter, anschließend in die beiden „Fermenter“, in den Hauptgärer und dann in den Nachgärer. Dort wird aus den Bioabfällen Methangas gewonnen. Dabei sind spezielle Mikroorganismen am Werk, die auch in den Mägen von Kühen die "Verdauung" verrichten. Das Gas wird schließlich in vier Gasspeichern gelagert.

In zwei Blockheizkraftwerken wird das erzeugte Biogas in Strom und Wärme umgesetzt. Dies geschieht tagsüber, wenn der Bedarf im Stromnetz höher als in der Nacht ist. Für die Fermentation ist eine konstante Temperatur von 42° Celsius nötig. Tagsüber kommt diese aus den Blockheizkraftwerken. Nachts sorgt ein Drehrohrofen für die benötigte Wärme. Dieser Ofen wird mit Biobrennstoff und Grünguthackschnitzeln befeuert.

Wie lange wird die neue Anlage in Betrieb sein?

Die ersten Biogasanlagen arbeiten seit gut 20 Jahren. Es gibt also genügend Erfahrungswerte, um zu sagen: Die Anlage wird 20 bis 25 Jahre in Betrieb sein, für mindestens 20 Jahre ist damit die Energiegewinnung durch Bioabfälle gesichert.

Weitere Informationen zur Vergärung

Im Film "Bioabfall - Ein Wertstoff voller Energie" wird der Weg vom Apfel bis zum Strom anschaulich erklärt.

Quelle: Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg