Sie verwendeten einen veralteten Browser. Bitte führen Sie für ein besseres Surf-Erlebnis ein Upgrade aus.
JavaScript scheint momentan in Ihren Browsereinstellungen deaktiviert zu sein.
Bitte nehmen Sie eine Änderung dieser Einstellung vor und laden Sie die Webseite neu, um deren volle Funktionalität zu ermöglichen.
Downloads

Vergärungsanlage

Mein Apfel wird zu Strom

Stellen Sie sich vor, Sie genießen einen saftigen Apfel, werfen das abgeknabberte Gehäuse in die Biotonne... und der wird mit dem gesamten anderen Bioabfall direkt zur Stromgewinnung genutzt.

Zukunftsmusik? Nein, Realität hier bei uns im Landkreis Calw!

Strom und Wärme aus Abfällen zu gewinnen, das ist das Prinzip, nach dem die Biogasanlage im Landkreis Calw funktionieren wird.

Mein Apfel wird zu Strom - Beschreibung des Bioabfallkreislaufes mit einer Vergärungsanlage.
Mein Apfel wird zu Strom - Beschreibung des Bioabfallkreislaufes mit einer Vergärungsanlage.

Wo steht die Biogasanlage und wie groß wird sie sein?

Symbolbild Apfel
Symbolbild Apfel

Die Anlage wird das bisherige Kompostwerk in Neubulach-Oberhaugstett ersetzen – und wird ebenso groß sein. In der neuen Anlage werden pro Jahr 13.500 Tonnen Bioabfall und 4.500 Tonnen Grüngut verarbeitet, also die gleiche Menge wie bisher im alten Kompostwerk.

Was wird denn da konkret gebaut?

Symbolbild Biotonne
Symbolbild Biotonne

Hier entsteht eine Vergärungsanlage für Bioabfälle aus der öffentlichen Sammlung und für Grüngut. Bei der Vergärung wird Gas gewonnen und daraus Strom produziert. Betreiber der Anlage ist die AWG.

Warum wird diese Anlage gerade jetzt gebaut?

Symbolbild Apfelrest
Symbolbild Apfelrest

Das alte Kompostwerk war seit 1997 in Betrieb. Die Halle hat in der langen Zeit gelitten durch die permanent feuchte Wärme, die beim Kompostieren entsteht. Das Werk war deshalb für einen weiteren Betrieb nicht mehr sicher genug – das bedeutet, es hätte sehr aufwändig und teuer saniert werden müssen. Kosten wären also ohnehin entstanden. Daher war es nötig, über einen Neubau nachzudenken. Gleichzeitig wurden Alternativen zur Kompostierung gesucht, die moderner sind und noch eine vielseitigere Nutzung zulassen.

Wie teuer wird die Anlage?

Symbolbild Wärmeerzeugung
Symbolbild Wärmeerzeugung

Die Anlage wird unter 10 Millionen Euro kosten. Die Sanierung des alten Kompostwerkes würde etwa 4 Millionen Euro kosten. Allerdings hätte man dann keine Erlöse für den Strom. Und Kompost bringt auch keine Erlöse. Der Hauptnutzen der neuen Biogasanlage ist, dass man erst Strom und Wärme erzeugt und dann noch immer Kompost als Dünger hat. Es ist so wirtschaftlicher und vor allem ökologisch sinnvoller, diese neue Anlage zu bauen, als das alte Werk zu sanieren.

Wie viel Strom und Wärme wird erzeugt?

Symbolbild Stromerzeugung
Symbolbild Stromerzeugung

Die Anlage erzeugt pro Jahr rund 4.200 Megawattstunden Wärme, die in der Anlage selbst zum Beheizen der Gärbehälter und zum Trocknen der groben Gärreste verwendet werden.
Es werden außerdem rund 4.200 Megawattstunden Strom erzeugt. Damit können rund 1.200 Haushalte versorgt werden, also so viele, wie es in Neubulach und Oberhaugstett gibt.

Was geschieht mit den Gärresten?

Symbolbild Kompost
Symbolbild Kompost

Nach der Fermentation bleiben Rückstände übrig, sogenannte Gärreste. Ein großer Teil davon wird als Dünger genutzt, ein weiterer als Brennstoff. Konkret bedeutet das, dass aus den in der Anlage entstandenen Gärresten jährlich 9.800 Tonnen als flüssiger Dünger genutzt werden, 1.200 Tonnen als Feinkompost und 1.200 Tonnen als Biobrennstoff.
Dieser Brennstoff wird gleich an Ort und Stelle in der Anlage eingesetzt, um einen Teil der Wärme für den Betrieb des Werkes zu erzeugen. Dadurch müssen nur noch 1.500 Tonnen Grünguthackschnitzel jährlich zur Wärmegewinnung genutzt werden. Diese Grünguthackschnitzel stammen auch aus dem Landkreis Calw und werden aus verholzten Grünabfällen wie Ästen hergestellt.

Was geschieht mit den Resten aus der Verbrennung?

Die Asche wird vom Ofenhersteller zurückgenommen, über ein zertifiziertes Verfahren aufbereitet und dann als Dünger genutzt.

Warum soll der Bioabfall vergärt werden, warum nicht weiter kompostiert?

Symbolbild Baum
Symbolbild Baum

Auch wenn wir alle immer bewusster auf unseren Energieverbrauch und die Umwelt achten, wird unser Energiebedarf in der Zukunft hoch bleiben. Es ist deshalb wichtig, dass die nötige Energie immer nachhaltiger erzeugt wird, wir vorhandene Ressourcen nutzen und die Natur dabei schonen.
Über Gas aus Bioabfällen Strom zu erzeugen, hat viele Vorteile, denn Bioabfälle fallen das ganze Jahr über an. Noch dazu werden sie in der Vergärungsanlage doppelt genutzt: Zuerst wird die Energie für Strom und Wärme gewonnen, dann wird ein großer Teil der Gärreste zum Düngen verwendet. Ein weiterer Vorteil: Die Blockheizkraftwerke produzieren den Strom dann, wenn besonders viel benötigt wird, nämlich tagsüber. Die Stromerzeugung ist also an den Bedarf angepasst.

Wie funktioniert die Anlage?

Symbolbild Frau mit Apfel

In der Annahmehalle werden Bioabfälle und Grüngut getrennt voneinander in Boxen abgeladen. Die Bioabfälle werden direkt am Anliefertag verarbeitet, das Grüngut wird nach Bedarf zugemischt. Zunächst werden die Stoffe zerkleinert, dann in einer „Separationshammermühle“ von Störstoffen befreit. Während dieses Arbeitsschrittes wird Flüssigkeit zugeführt. Dafür wird der aus den Bioabfällen austretende Sickersaft verwendet, der in der Anlieferhalle gesammelt wird. Zusätzlich wird Regenwasser oder Rezirkulat genutzt, das ist die Flüssigkeit, die am Ende der Vergärung aus den Gärresten gewonnen wird.

Nun kommt das Material in zwei Vorratsbehälter, anschließend in die beiden „Fermenter“, in den Hauptgärer und dann in den Nachgärer. Dort wird aus den Bioabfällen Methangas gewonnen. Dabei sind spezielle Mikroorganismen am Werk. Das Gas wird schließlich in vier Gasspeichern gelagert.

In zwei Blockheizkraftwerken wird das erzeugte Biogas in Strom und Wärme umgesetzt. Dies geschieht tagsüber, wenn der Bedarf im Stromnetz höher als in der Nacht ist. Für die Fermentation ist eine konstante Temperatur von 42° Celsius nötig. Tagsüber kommt diese aus den Blockheizkraftwerken. Nachts sorgt ein Drehrohrofen für die benötigte Wärme. Dieser Ofen wird mit Gärresten und Grünguthackschnitzeln befeuert.

Wie lange wird die neue Anlage in Betrieb sein?

Die ersten Biogasanlagen arbeiten seit gut 20 Jahren. Es gibt also genügend Erfahrungswerte, um zu sagen: Die Anlage wird 20 bis 25 Jahre in Betrieb sein, für mindestens 20 Jahre ist damit die Energiegewinnung durch Bioabfälle gesichert.

Weitere Informationen zur Vergärung

Im Film "Bioabfall - Ein Wertstoff voller Energie" wird der Weg vom Apfel bis zum Strom anschaulich erklärt.

Quelle: Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg